Dem defekten Mixer kann geholfen werden
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22. Oktober 2026 – Im ersten Jahr des Bestehens haben Freiwillige im Repair-Café rund 200 Gegenstände begutachtet und gut 60 Prozent davon repariert. Das Projekt von Quartierverein, Chramschopf und «Senioren für Senioren» löst bei der Bevölkerung viel Freude aus.

VON RENE STAUBLI
«Die häufigsten Defekte betreffen Kabel, Stecker und Schalter», sagt der Reparateur Robert Merz, pensioniert und Maschinenzeichner von Beruf. Manche Kabel seien nur eingeklemmt, andere gebrochen oder herausgerissen, auch Wackelkontakte gebe es oft. «Solche Probleme können wir mit wenig Aufwand lösen.»
Fast jedes Mal sei eine Nähmaschine vorbeigebracht worden. «Zum Glück haben wir mit Beat Linder einen Nähmaschinenmechaniker im Team, der sich über jeden Auftrag freut.» Es sei allerdings nur selten um grössere mechanische Defekte gegangen, sondern mehr um Kleinigkeiten: Verstopfungen wegen abgeriebener Fadenrückstände oder Blockaden wegen verbogener Nadeln. «Keine grosse Sache für unseren Fachmann.»
Natürlich gebe es auch anspruchsvollere Arbeiten. Bei einem CD-Player sei die Schublade nicht mehr herausgekommen, «da haben wir einen neuen Antriebsriemen bestellt, und schon funktionierte das Gerät wieder». Schwieriger werde es, wenn nicht die Mechanik, sondern die Elektronik betroffen sei. Aber auch da habe man mit Stefan Nedelcu einen Spezialisten im Team, Elektro-Ingenieur von Beruf und beim Hörgerätehersteller Sonova angestellt. «Er ist in der Lage, anhand von Schaltplänen Probleme einzugrenzen und zu lösen.»
Zuweilen müsse man aber auch kapitulieren. Zum Beispiel vor einem Stabmixer, dessen Motor verbrannt war, «da hätte sich die Beschaffung eines Ersatzteils schlicht nicht mehr gelohnt». Und dann gebe es noch Fälle, von denen man lieber die Finger lasse. An die Reparatur einer antiken Wanduhr habe man sich nicht herangewagt. «Wir haben der Besitzerin aber sagen können, wohin sie die Uhr bringen kann – auch das kann hilfreich sein und wird geschätzt.»


Zwei Schlüsselstellen, ein Team
Im Team des Repair-Cafés gibt es zwei Schlüsselstellen. Paul Jenkinson ist verantwortlich für den Reparaturbetrieb. Der gebürtige Engländer lebt seit 18 Jahren mit seiner Frau in Zollikon, war beim Schienenfahrzeug-Konzern Alstom als Ingenieur beschäftigt und ist handwerklich sehr begabt. Vor seiner frühzeitigen Pensionierung hielt er Ausschau nach einer Freiwilligenarbeit und wurde beim Quartierverein fündig. Für ihn und das Team ist Renate Diener «der gute Geist hinter dem Projekt». Die Co-Präsidentin des Quartiervereins besorgt die Administration und schaut, dass sich am Tag des Repair-Cafés genügend Freiwillige einfinden.
«Wir haben derzeit 12 Reparateure und 4 Helferinnen und Helfer auf unserer Liste», sagt Renate Diener. Regula Boner und die frühere Krippenleiterin Angela Eckel seien für den Kaffee und den Kuchen zuständig. Urs Schneider habe eine wichtige Funktion als «Empfangschef» und erste Ansprechperson für die Kundschaft. Derzeit engagierten sich zusätzlich zwei junge Männer. Das Repair-Café sei ja auch ein Projekt gegen die Wegwerfgesellschaft und für eine ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft. «Das ist ein Thema, das auch Junge interessiert,» sagt Renate Diener.
Insgesamt gibt es in der Schweiz inzwischen mehr als 250 Repair-Cafés, das erste wurde vor mehr als 10 Jahren in Bern gegründet. Dahinter steht die Stiftung für Konsumentenschutz.
Renate Diener staunt, wie einfach es in Zollikon gewesen sei, von Beginn an genügend Helferinnen und Helfer zu finden, «auch dank den grossen Netzwerken unserer Partnerorganisationen Chramschopf und ‹Senioren für Senioren›». Finanziell stehe das Projekt auf stabilen Füssen. Zwar seien die Anfangsinvestitionen «für Werkzeuge, Abdeckmaterial, Bäseli und Chischtli» mit rund 3000 Franken relativ hoch gewesen, «aber es hat sich im Spendenkässeli übers Jahr auch ein schöner Batzen angesammelt». Die Mittel reichten, um die Helferinnen und Helfer kürzlich zu einem Dankes-Essen einzuladen.
Optimierter Betrieb
Natürlich sei nicht alles von Anfang an rund gelaufen, räumt Robert Merz ein, aber man habe dazugelernt. Inzwischen gebe ein Helfer am Empfang die wichtigsten Informationen zum Reparaturauftrag in eine Excel-Tabelle ein und drucke einen Laufzettel aus. Man erkundige sich bei den Kunden schon zu Beginn, wieviel die Reparatur höchstens kosten dürfe und lasse sich die Handy-Nummer oder eine Mailadresse geben. Dann könne der Besitzer oder die Besitzerin des defekten Gegenstands einen Kaffee trinken, im benachbarten Chramschopf stöbern, im Dorf einkaufen gehen oder dem Reparateur bei der Arbeit zuschauen. Der könne anhand des Laufzettels ohne weitere Rücksprachen entscheiden, ob er die Reparatur ausführen solle oder nicht. «Wir sparen im Vergleich zu den Anfängen viel Zeit, weil die umständliche Rückfragerei nicht mehr nötig ist.»
Im ersten Jahr habe man fast keine negativen Erfahrungen gemacht, bilanziert Renate Diener. Natürlich gebe es ab und zu ein enttäuschtes Gesicht, wenn sich zeige, dass eine Reparatur nicht mehr möglich sei. Was aber überwiege, seien Freude und Dankbarkeit. Im Repair-Café könne man sich nicht nur lieb gewordene Gegenstände und Geräte zu Selbstkostenpreisen flicken lassen. Es sei darüber hinaus zu einem Treffpunkt geworden, «wo man zusammenkommen und ein paar Worte miteinander wechseln kann».
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